Holzschutztagung 2024 der Deutschen Bauchemie: Europa als Chance nutzen

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Im westfälischen Münster fand Ende November 2024 die Holzschutztagung der Deutschen Bauchemie statt. Neben den Berichten aus der Gremienarbeit des Verbands wurde den Teilnehmern aus Industrie, Gewerbe, Behörden und Wissenschaft ein breit gefächertes Vortragsprogramm geboten. Im Fokus standen dabei unterschiedliche Aspekte zum Thema „Europa“, dem sich gleich drei Referenten widmeten - von einem Blick auf das neu gewählte Europäische Parlament und die neue Kommission über die Vorstellung einer laufenden Initiative der europäischen Holzschutzindustrie bis hin zum Stand beim CPR Acquis-Prozess für harmonisierte Holzbauprodukte. Dazu kamen weitere Fachvorträge, die sich zum einen mit der „Klassifizierung des Brandverhaltens behandelter Fassadenhölzer“ und zu andern mit der „Holzschutzmittelverwendung unter handwerklichen Bedingungen im Holz und im Mauerwerk“ beschäftigten.

Im verbandsinternen Teil der Veranstaltung gab Ina Hundhausen, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Bauchemie, einen Einblick in die aktuelle Verbandsarbeit. Eine Arbeit, die sich vor dem Hintergrund negativer Entwicklungen abspielt - insbesondere was den Absatz im Bauhauptgewerbe, die schwache Kapazitätsauslastung bei der Chemieproduktion sowie den trüben Aussichten bei der Wirtschaftsleistung in Deutschland betrifft. Dennoch, so Ina Hundhausen, bleibt man beim Verband optimistisch und will bei der künftigen Arbeit noch effizienter werden. Wichtig ist ihr in diesem Kontext das Konzept der Themenpriorisierung, das in Abstimmung mit den jeweiligen Fachausschüssen erfolgt und aus dem künftig die Intensität und Aktivitäten der Bearbeitung durch die Geschäftsstelle abgeleitet sowie Aktionspläne erstellt werden. „Den wirtschaftlichen Wandel erfolgreich umsetzen - trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und verstärkten Regularien“ - so formulierte Ina Hundhausen die aktuelle Aufgabenstellung des Verbands. Ergänzt wurde der Bericht aus der Geschäftsstelle von Dr. Peter Reißer, der den Mitgliedern die Entwicklung beim „Sonderfonds Öffentlichkeitsarbeit Holzschutz und Normung“ vorstellte.

Umfangreiche Gremienarbeit im Bereich Holzschutz

Am Beginn der Berichte über die verbandsinterne Gremienarbeit fasste Dr. Peter Jüngel von derKurt Obermeier GmbH die Ergebnisse und die Konsequenzen für schutzmittelbehandelte Hölzer aus dem Projekt „Duratest“ zusammen.  Ausgehend von der DIN EN 350 hat das aufwändige Projekt das Ziel verfolgt, Verfahren für die Bestimmung und Klassifizierung der Dauerhaftigkeit von Holz und v. a. Holzprodukten gegen einen Befall durch biologische, holzzerstörende Organismen zu entwickeln. Neben einigen Schwierigkeiten bei der Projektdurchführung war eine wesentliche Erkenntnis, dass eine Klassifizierung der Dauerhaftigkeit von chemisch geschütztem Holz nicht per se möglich ist, um eine eindeutige Aussage im Sinne der EN 350 treffen zu können. Sein Fazit lautete daher, den Anwendungsbereich der EN 350 entsprechend anzupassen und die Dauerhaftigkeitsklassifizierung auf Materialien, nicht auf Produkte zu beschränken.  Sinnvoller und praxistauglicher für schutzmittelbehandeltes Holz  erscheint hier die Angabe zur Eignung des Produktes für eine bestimmte Gebrauchsklasse - so der Referent.  Udo Warncke von der Cosaco GmbH referierte anschließend aus Sicht eines mittelständischen Unternehmens zum Thema „Nachhaltigkeit - eine Industrieperspektive“. Seine „Take-Home Message“ lautete dabei: Nachhaltigkeit ist kein Trend, aber Nachhaltigkeit sichert den Erfolg von morgen und sorgt für gesellschaftliche Akzeptanz.  Notwendig ist hierbei ein frühzeitiges und kontinuierliches Handeln, da eine Fülle von Datenmaterial zusammengetragen werden muss und  keine schnellen Ergebnisse zu erwarten sind. Der Obmann des Fachausschusses 1 (FA 1) der Deutschen Bauchemie, Dr. Jörg Habicht von der Wolman Wood and Fire Protection GmbH, stellte in seinem Bericht weitere Themen aus dem FA 1 vor. Sie umfassen neben dem Biozidrecht die Bereiche Normung, Brandklassifizierung und Forschung.  Besondere Aufmerksamkeit verlangte die Verordnung über die Meldung und die Abgabe von Biozid-Produkten und deren Umsetzung. Mit dieser so genannte Chemikalienbioziddurchführungsverordnung wird die Abgabe von Biozidprodukten aus Sicht der betroffenen Wirtschaftskreise unnötig, aufwändig und bürokratielastig national geregelt, obwohl die Biozidprodukte bereits europäisch bewertet und zugelassen wurden. Als Hilfestellung zur Umsetzung der ab dem 1. Januar 2025 greifenden Verpflichtungen (Selbstbedienungsverbot, Abgabegespräch, Sachkunde) hat der Fachausschuss eine Informationsschrift mit dem Titel „Regelungen zur Abgabe von Holzschutzmitteln gemäß ChemBiozidDV“ erarbeitet.  

Breit gefächertes Themenspektrum im fachöffentlichen Teil

Den fachöffentlichen Teil der Münsteraner Holzschutztagung eröffnete Jan Murr von der Materialprüfanstalt Brandenburg GmbH (MPA) aus Eberswalde. Bei seinem Vortrag zur „Klassifizierung des Brandverhaltens behandelter Fassadenhölzer“ stellt er sowohl den Hintergrund des Projektes ­– nämlich die ab August 2024 greifende, geänderte CWFT (classified without further testing)-Entscheidung der EU-Kommission, die nur noch eine Klassifizierung des Brandverhaltens unbehandelter Massivhölzer für Fassaden zulässt -, als auch die durchgeführten Brandprüfungen sowie die dabei gewonnenen Ergebnisse im Detail vor. Für die Prüfungen wurden ein wasserverdünnbares Kupfer-basiertes Holzschutzmittelkonzentrat sowie ein anwendungsfertiges wasserbasiertes Holzöl für die Oberflächenbehandlung verwendet.  Wesentliches Ergebnis war,  dass die Behandlung das Brandverhalten nur geringfügig beeinflusst und die Klassifizierung des Brandverhaltes gegenüber dem unbehandelten Holz unverändert geblieben ist. Mit dem zweiten Vortrag ging es mitten hinein in die Holzschutzpraxis. Ekkehard Flohr vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Dessau, ein ausgewiesener Holzschutzexperte mit langjähriger Praxiserfahrung, blickte dabei auf die „Holzschutzmittelverwendung unter handwerklichen Bedingungen im Holz und im Mauerwerk“. Anhand konkreter Objektsanierungen bei einem Hausschwammbefall  zeigte er sehr anschaulich die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen der Bohrlochtränkung mit bzw. ohne Druck auf, um das Schwammsperrmittel ins Mauerwerk einzubringen. Anschließend oder alternativ zu den Borhlochtränkverfahren bei größeren Hohlräume im Mauerwerkkommt nach Ansicht des Referenten vorzugsweise das Schaumverfahren zum Einsatz. Ausführlich widmete sich Ekkehard Flohr auch der Anwendung von Holzschutzmittel im Holz. Er verwies in diesem Zusammenhang auf in der Praxis immer wieder vorkommende Anwendungsfehler - etwa in Form einer falschen Bohrlochtränkung, zu großen Bohrlochabständen oder gar  das Durchbohren von Holzfußböden.

Green Deal: Herausforderung und Chance zugleich

Im Fokus der letzten drei Vorträge stand einmal mehr das Thema „Europa“ und dessen Einfluss auf die Holzschutzmittelindustrie. Mit Martin Ludescher, dem Geschäftsführer „Government Affairs“ und Leiter des Brüsseler Europabüros der Deutschen Bauchemie, verfügt der Verband über einen gut vernetzten Repräsentanten vor Ort. In Münster ging er, vor dem Hintergrund des neu gewählten Europäischen Parlaments und der neuen Kommission, der Frage nach „Was erwartet uns in der neuen Legislaturperiode?“. Während die erste Amtszeit von Von der Leyen in eine starke Gesetzgebungswelle mündete, wird der Fokus der zweiten Amtszeit auf der Umsetzung des geschaffenen Rahmens liegen müssen. Beachtet man allein die anstehenden Durchführungsrechtsakte und delegierten Rechtsakte, die der VCI für die chemische Industrie identifiziert hat, so ist es gerechtfertigt, pointiert von einem Umsetzungstsunami zu sprechen. Wichtig ist, dass die neue politische Agenda einen Schwerpunkt auf die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit legt. Mit Spannung wird das „Paket für die chemische Industrie“ und damit die Überarbeitung der Chemikalienverordnung REACH erwartet. Diese Vorgänge werden intensiv von der Deutschen Bauchemie begleitet werden. Das Fazit von Martin Ludescher: „Bei einem (leicht) veränderten politischen Fahrwasser rücken künftig Industriebelange wieder stärker in den Fokus, allerdings ohne, dass sich vorerst ein massiver Kurswechsel zeigt“.

Passend zu den Ausführungen von Martin Ludescher stellte Jochen Obermeier von der Kurt Obermeier GmbH eine aktuelle Initiative mit dem Namen „Treated Timber for Decorbonization“ vor. Wie er dem Auditorium berichten konnte, bündeln hier mit dem Europäischen Holzschutzverband, dem Schwedischen Holzschutzverband und dem Verband der Europäischen Holzschutzmittelhersteller drei große europäische Industrieverbände ihre Kräfte, um die Interessen der Hersteller voranzutreiben und umzusetzen. Im Fokus steht auch hier der europäische Green Deal, das komplexeste Regulierungsvorhaben in der Geschichte der EU, das eine Lawine neuer EU-Regularien mit sich bringt. Die Industrie steht daher vor zahlreichen neuen gesetzlichen Anforderungen, die umgesetzt werden müssen. Wie Jochen Obermeier zeigte, bietet der EU Green Deal für die europäische Holzschutzindustrie aber auch eine große Chance. Insbesondere die Suche nach Materialen für die Dekarbonisierung schafft Marktchancen und die derzeitige EU-Politik könnte die Nachfrage nach behandeltem Holz in den nächsten 5-10 Jahren erheblich erhöhen - so Jochen Obermeier. Insbesondere dann, wenn es gelingt, bestimmte Hemnisse für die wirtschaftliche Entwicklung von behandeltem Holz in Europa abzuschwächen. Dazu zählen beispielsweise zu hoch bewertete Umweltrisiken chemischer Holzschutzmittel oder Missverständnisse über das Kreislaufpotential von chemisch behandeltem Holz. Die Nachhaltigkeitsaspekte von (geschütztem) Holz sind jedoch Entscheidern in Politik und Behörden nicht immer präsent und sind erklärungsbedürftig. „Wir als Holzschutzindustrie müssen diese Botschaft objektiv und konstruktiv in die Öffentlichkeit tragen – Machen Sie mit“ - so der Appell von Jochen Obermeier am Ende seiner Ausführungen. Abgerundet wurde der Vortragsteil mit einem speziellen Teilaspekt, der sich aus der neuen EU-Bauproduktenverordnung und den Anforderungen aus der Ökodesignverordnung ergibt.

Christina Reimann von der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH) blickte dabei auf den „CPR Acquis-Prozess für harmonisierte Holzbauprodukte“ und informierte über „Stand und Entwicklung“. Ihren Ausführungen zur Struktur und zum Zeitplan des Prozesses konnte man entnehmen, dass hier bereits zahlreiche Ausschüsse und Expertengruppen in die Arbeit eingebunden sind und Arbeitsschritte für Normungsanträge innerhalb des CPR Acquis-Prozesses eingeleitet wurden. Sie musste jedoch feststellen, dass aktuell leider mehr Fragen als Antworten vorliegen. Dies betrifft beispielsweise die Ermittlung der zu erfassenden Produkte sowie der Formen und Materialien, die Liste der wesentlichen Merkmale inkl. Freisetzung gefährlicher Stoffe und ökologische Nachhaltigkeit, die Ermittlung der Bewertungsmethode für jedes wesentliche Merkmal sowie die Festlegung der Art und Weise, wie die Leistung von Bauprodukten in Bezug auf jedes wesentliche Merkmal erklärt werden kann. Nicht geklärt ist auch, ob die Bearbeitung der sog, „Meilensteine“ nacheinander oder parallel erfolgt und wann die Vorgaben der Arbeitsgruppen zu gefährlichen Stoffen und ökologischer Nachhaltigkeit vorliegen.

 

 

Die Deutsche Bauchemie vertritt seit 75 Jahren die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen und deutschen Tochter-unternehmen ausländischer Konzerne gegenüber der Fachöffentlichkeit, Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien. Der Industrieverband gehört als Fachorganisation zum Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die mehr als 130 Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten 2022 mit rund 32.000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro in Deutschland. Das entspricht der Hälfte des europäischen Marktvolumens und etwa einem Viertel des Weltmarktes.


Referenten und Gastgeber der Holzschutztagung 2024 in Münter (von links): Dr. Peter Reißer, Jochen Obermeier, Dr. Jörg Habicht, Martin Ludescher, Christina Reimann, Ina Hundhausen, Jan Murr, Ekkehard Flohr, Dr. Peter Jüngel und Udo Warncke ©Deutsche Bauchemie

Teilnehmer aus Industrie, Gewerbe, Behörden und Wissenschaft trafen sich im westfälischen Münster zur Holzschutztagung 2024 ©Deutsche Bauchemie


Ansprechpartner

Ina Hundhausen
Hauptgeschäftsführerin

Tel.: 069 / 25 56 - 1318
E-Mail: ina.hundhausen[at]vci.de