Konjunkturelle Entwicklung

In ihrem am 15. April 2021 veröffentlichten Frühjahrsgutachten prognostizieren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland einen Anstieg des Brutto- inlandsproduktes um 3,7 % im laufenden Jahr und um 3,9 % im Jahr 2022. Der erneute Shutdown verzögere die wirtschaftliche Erholung, aber sobald die Infektionsgefahren vor allem durch das Impfen gebannt sein werden, rechnen die Institute mit einer kräftigen Erholung. Etwa zu Beginn des kommenden Jahres dürfte die Wirtschaft zur Normalauslastung zurückkehren.

 

Am Frühjahrsgutachten 2021 haben mitgewirkt:

  • Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
  • ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. in Kooperation mit der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF)
  • Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel)
  • Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
  • RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien Wien

 

Mit Blick auf Europa sprechen die Gutachter für die ers- ten Monate 2021 von einer sich spreizenden Konjunktur:

„Die Produktion im Bau und im Verarbeitenden Gewerbe blieb auf Expansionskurs, während die Einzelhandels- und Dienstleistungsumsätze im Winter aufgrund erneuter Infektionsschutzmaßnahmen sanken.“ Die Institute er- warten, dass die Infektionsschutzmaßnahmen über die kommenden Monate allmählich aufgehoben werden und die Pandemie ihren Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen nach und nach verliert. Unter dieser Voraussetzung sei ab dem Frühsommer mit einer deutlich anziehenden Kon- junktur zu rechnen.

Für Deutschland stellen die Wissenschaftler rückblickend auf 2020 fest: „Die Bauwirtschaft wurde vergleichsweise wenig von der Corona-Pandemie in Mitleidenschaft ge- zogen. Im Jahr 2020 expandierten die Bauinvestitionen um 1,9 %. Zwar kam es im Sommerhalbjahr in allen Bausparten zu kräftigen Rückgängen, im vierten Quartal legten die Investitionen sowohl im Wohnungsbau als auch im öffentlichen Bau aber wieder deutlich zu. Vor allem im Wohnungsbau dürften dazu Vorzieheffekte, aufgrund der anstehenden Wiedererhöhung der Mehr- wertsteuer zum Jahreswechsel, entscheidend beigetragen haben.“

Für das erste Quartal 2021 sehen die Forschungsinstitute einige Sondereffekte als Ursache für Rückgänge in der Bauwirtschaft, dazu zählen die Rückkehr zum normalen Mehrwertsteuersatz und der Wintereinbruch zu Jahres- beginn. Im weiteren Prognosezeitraum wird sich laut Gemeinschaftsdiagnose die gute Baukonjunktur mit dem Wegfall der dämpfenden Sondereffekte wieder durch- setzen: „Das liegt vor allem am Wohnungsbau. Hier befinden sich sowohl die Auftragseingänge als auch die Auftragsbestände auf sehr hohem Niveau. Überdies bleiben die Rahmenbedingungen für Wohnungsbau- investitionen äußerst anregend, denn das Finanzierungs- umfeld bleibt vorteilhaft, und der Bedarf an Wohnraum bleibt hoch.“

 

 

Die öffentlichen Bauinvestitionen werden nach den Schätzungen der Wissenschaftler im laufenden Jahr voraussichtlich weiter merklich expandieren. Darauf deuten die seit Oktober stark gestiegenen Auftragseingänge im öffentlichen Tiefbau hin. Vor allem aber warten zahlreiche im Konjunkturpaket sowie im Koalitionsvertrag beschlossene Bau- vorhaben noch auf ihre Umsetzung. Die öffentlichen Bauinvestitionen dürften im laufenden Jahr um 2,7 % zunehmen. Für das kommende Jahr ergibt sich – maßgeblich getrieben durch den statistischen Übergang – eine Ausweitung um 4,0 %.

Alles in allem rechnen die Institute für das Jahr 2021, bedingt durch das schwache erste Quartal, mit einem leichten Rückgang der Bauinvestitionen um 0,4 %. Für das Jahr 2022 erwarten sie einen Zuwachs von 4,0 %. Die zugrundeliegende konjunkturelle Dynamik zeigt sich wiederum deutlicher in den Jahresverlaufsraten: Nach einem Anstieg um 2,6 % im Jahr 2021 kommt es zu einer leichten Abschwächung auf 1,9 % im kommenden Jahr.