Konjunkturelle Entwicklung

Die nachfolgend beschriebenen Zahlen und Trends geben den Stand von Mitte April 2020 wieder. Da die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen national und international kaum vorhersehbar sind, können sich im Laufe des Jahres noch spürbare Veränderungen ergeben. Diesen Vorbehalt äußern auch die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom 8. April 2020. Diese Veröffentlichung ist von Ambivalenz geprägt – einerseits wegen der ungeschönten Wahrheit einer um 4,2 % schrumpfenden Wirtschaftsleistung in diesem Jahr, andererseits mit der Prognose einer Erholung der Situation und einem Wachstum von 5,8 % im Jahr 2021.

„Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte“, heißt es in der Gemeinschaftsdiagnose. Die Analyse der Forscher für die Bauwirtschaft fällt moderat aus, die Perspektive für 2021 ist positiv:

„Die Bauinvestitionen kommen vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Im ersten Quartal dürfte es sogar noch zu einer moderaten Ausweitung der Bauinvestitionen um 0,8 % gekommen sein. Ursächlich waren dafür wohl das sehr milde Wetter zu Jahresbeginn sowie Brückentagseffekte. Im zweiten Quartal werden Produktionsbehinderungen auch verstärkt die Bauwirtschaft treffen. Der Rückgang erstreckt sich über alle Sparten, vor allem aber dürfte der gewerbliche Bau einbrechen. Im Zuge des kräftigen Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität und der damit einhergehenden verschlechterten Erlössituation ist zu erwarten, dass Unternehmen im weiteren Verlauf des Prognosezeitraums Bauprojekte zunächst zurückstellen oder gar nicht in Auftrag geben. Die Bautätigkeit dürfte auch angebotsseitig von Arbeitskräfteund Materialmangel, vor allem bedingt durch innereuropäische Grenzschließungen, beschränkt werden. Zwar gilt dies auch für die öffentliche Bautätigkeit, der Rückgang wird dort aber voraussichtlich weniger stark ausgeprägt sein, da sich die Investitionsplanung der öffentlichen Hand nicht wesentlich durch die Corona-Krise verändern dürfte. Auch Investitionen in Wohnbauten werden angesichts der weiterhin hohen Nachfrage nach Wohnraum,
insbesondere in urbanen Zentren, wohl vergleichsweise milde Rückgänge verzeichnen. Allerdings dürfte es aufgrund der schwach besetzten oder zeitweise pausierenden Bauämter zu Verzögerungen bei der  Vergabe von Aufträgen und Genehmigungen kommen.“

Für den weiteren Prognoseverlauf ist laut Gemeinschaftsdiagnose mit einer Erholung der Bauinvestitionen zu rechnen. So sind die strukturellen Treiber der Baukonjunktur nach wie vor intakt; die Nachfrage nach  Wohnraum und Büroflächen ist ungebrochen hoch und die Investitionspläne der öffentlichen Hand werden wohl weitestgehend umgesetzt. Alles in allem rechnen die Institute mit einem Anstieg der Bauinvestitionen um lediglich 0,2 % im laufenden Jahr und um 2,8 % im kommenden Jahr. Für 2021 sehen die Forscher die Werte für Investitionen in den Wohnungs- und Nichtwohnungsbau im Plus (siehe Tabelle).

 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, mit starken Einschränkungen für Wirtschaft und Bevölkerung, muss deshalb der Blick parallel intensiv vorausgehen auf die Phase des Neustarts. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) stellt hierzu fest (6. April 2020): „Nach der Überlebenssicherung während der Krise durch verschiedene Liquiditätshilfen und Überbrückungskredite gehört zum erneuten Anfahren der Wirtschaft vor allem der
Neustart der öffentlichen Infrastruktur von Schulen und Kindergärten. Um ein abgestimmtes Anfahren der komplexen Wertschöpfungsnetzwerke der Industrie zu ermöglichen, müssen klare Signale zum zeitlichen Ablauf gesetzt werden. Ein steuerpolitisches Aufbruchssignal und ein angebotspolitisches Wachstumsprogramm können einen wichtigen Beitrag für neue wirtschaftliche Dynamik nach der Krise leisten.“

 

Um die industrielle Produktion wieder hochfahren zu können, empfiehlt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln), die komplexen Wertschöpfungsnetze zu reaktivieren und die Marktpräsenz der Unternehmen zu sichern. Notwendig sei auch, dass die Beschäftigten in Produktion, Logistik, Sales und After-Sales sicher und ansteckungsfrei ihrer Arbeit nachgehen könnten, also die Ausstattung mit persönlicher Schutzausrüstung
flächendeckend gewährleistet ist. Hier engagieren sich bereits zahlreiche Mitgliedsunternehmen der Deutschen Bauchemie durch Umstellung ihrer Produktion oder durch Spenden aus eigenen Beständen. 

Die bauchemischen Unternehmen sind international tätig und deshalb in der Neustartphase darauf angewiesen, dass der freie Warenverkehr funktioniert und Grenzen offengehalten bzw. wieder geöffnet werden.

Mit einem sehr guten Jahr 2019 und einem noch intakten ersten Quartal 2020 sind die Voraussetzungen für die bauchemischen Unternehmen in Deutschland zum Durchhalten in der Krise und für eine Erholung danach positiv. Alles hängt letztlich von Dauer und Intensität der Corona-Pandemie ab.