Konjunkturelle Entwicklung

Bauchemie im Spannungsfeld von Konjunktur, Kosten und Regulierung

Die wirtschaftliche Lage der bauchemischen Industrie in Deutschland bleibt von erheblichen strukturellen Belastungen geprägt. Diese resultieren sowohl aus der gesamtwirtschaftlichen  Entwicklung als auch aus der anhaltend angespannten Situation in der chemischen  Industrie und der Bauwirtschaft.

  • Umsatz im Bauhauptgewerbe stieg 2025 in Deutschland real um 2,5 %
  • Chemieproduktion und -umsatz in Deutschland sanken 2025 um jeweils 2,5 %
  • Umsätze der Bauchemie 2025 zwischen -5,97 % bis +1,63 % je nach Produktgruppe 

 

„In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft sichtbar an Stabilität verliert, trifft die Bauindustrie eine tiefe konjunkturelle Krise – und die Chemiebranche gleich-zeitig eine strukturelle. Die wachsende regulatorische Komplexität verschärft diese Belastungen noch einmal deutlich. Gerade deshalb braucht es heute klare Orientierung, gemeinsames Handeln und eine starke Stimme für die Bauchemie, damit wir Stabilität schaffen, wo andere Märkte ins Wanken geraten.“ 

Peter Summo, Vorstandsvorsitzender

 
Entwicklung der Bauchemie

Für die Bauchemie können lediglich Näherungswerte ausgewiesen werden, da keine gesonderte Erfassung durch das Statistische Bundesamt erfolgt. Auf Basis der internen Erhebungen der Deutschen Bauchemie verzeichnete die Branche im Jahr 2025 über alle Produktgruppen hinweg einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von –1,09 %. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Produktsegmenten: Diese reichen von Rückgängen von –5,97 % bis hin zu Zuwächsen von bis zu +1,63 %. Die Spannbreite ist u. a. auf die unterschiedliche Verwendung bauchemischer Produkte in einzelnen Gewerken zurückzuführen.

 

Entwicklung der chemischen Industrie

Die chemische Industrie verzeichnete im Jahr 2025 erneut einen spürbaren Produktionsrückgang von –2,5 %. Angesichts der instabilen weltwirtschaftlichen Lage wird für 2026 derzeit keine belastbare Prognose vorgenommen. Die strukturellen Ursachen der anhaltenden Schwäche bleiben unverändert: hohe Energie- und Produktionskosten, regulatorische Unsicherheit, zunehmende Bürokratie sowie internationale Wettbewerbsverzerrungen infolge von Überkapazitäten, Handelshemmnissen und geopolitischen Konflikten.(Quelle: Verband der Chemischen Industrie)


Entwicklung der Bauwirtschaft in Deutschland

In der deutschen Bauwirtschaft zeigten sich zu Beginn des Jahres 2025 erstmals seit mehreren Jahren vorsichtige Anzeichen einer Stabilisierung. Nach massiven realen Umsatzrückgängen in den Jahren 2021 bis 2024 von insgesamt rund –17 %, stiegen die Umsätze im Bauhauptgewerbe 2025 (um+2,5 % real). Zu Jahresbeginn wurde von einer  vergleichbaren Entwicklung im Jahr 2026 ausgegangen (+2,5 %).
Vor dem Hintergrund der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der resultierenden Auswirkungen auf Rohstoffmärkte, Preise und Lieferketten ist eine belastbare Prognose derzeit jedoch nicht mehr möglich.
Die Entwicklung der einzelnen Teilsegmente blieb 2025 uneinheitlich. Der Wohnungsbau verharrte trotz leichter Erholungstendenzen weiterhin im Minus (–1,5 %). Ursächlich hierfür sind strukturelle Hemmnisse wie Genehmigungsstaus, hohe Finanzierungskosten und ein insgesamt zurückhaltendes Investitionsumfeld. Demgegenüber entwickelte sich der Wirtschaftsbau deutlich dynamischer (+6,5 %), ganz maßgeblich getragen durch Aufträge der Deutschen Bahn. Der öffentliche Bau entwickelte sich hingegen unterdurchschnittlich (+2 %). (Quelle: Bauindustrie, 25.02.2026)

 

Entwicklung der Bauwirtschaft in Europa

Auf europäischer Ebene bestätigen die Daten von EUROCONSTRUCT eine weiterhin heterogene Marktlage. Das Jahr 2025 war von einer vorsichtigen Stabilisierung geprägt, während ab 2026 ein deutlicher Aufschwung erwartet wurde, insbesondere im Tiefbau und im Wohnungsneubau. Für die Jahre 2027 und 2028 prognostizierte das Institut eine breit getragene Erholung über nahezu alle Teilsegmente hinweg, unterstützt durch verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine steigende Investitionsbereitschaft. Diese Prognosen wurden jedoch noch vor Ausbruch der jüngsten geopolitischen Eskalationen erstellt. Die sich derzeit abzeichnenden Rohstoffpreisanstiege und potenziellen Lieferengpässe führen dazu, dass mit Stand Anfang April 2026 keine belastbaren Aussagen zur weiteren Entwicklung möglich sind. (Quelle: EUROCONSTRUCT)

 

Zusammenfassung und Ausblick

Aus Sicht der Bauchemie deuteten die mittelfristigen Perspektiven ursprünglich auf eine positive Entwicklung hin. Bauchemische Anwendungen profitieren traditionell zeitversetzt von einer Erholung der Bau- und Infrastrukturtätigkeit. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten können hierzu derzeit jedoch keine verlässlichen Aussagen getroffen werden.
Gleichzeitig zeigen die VCI-Mitgliederbefragungen unter Beteiligung von Unternehmen der Deutschen Bauchemie, dass der wirtschaftliche Druck weiter zunimmt. Über 90 % der befragten Unternehmen berichten von einer hohen Belastung durch Regulatorik und Bürokratie, gefolgt von steigenden Energie- und Rohstoffkosten, hoher Arbeitskostenbelastung sowie einem zunehmend anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld. Trotz dieser Rahmenbedingungen setzen viele Unternehmen verstärkt auf Effizienzsteigerungen, Kostenreduktionen und Innovationen zur Stabilisierung ihrer Ertragskraft. Der Auslandsmarkt bleibt für viele Unternehmen eine wichtige Stütze, da für 2026 ein stärkerer Umsatzrückgang im Inland als im europäischen und außereuropäischen Ausland erwartet wird (Erhebung vor Ausbruch des Iran-Konflikts).
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Baukonjunktur im Zeitraum 2025/Anfang 2026 erste Anzeichen einer Trendwende zeigte, jedoch weiterhin fragil bleibt und stark von politischen sowie finanziellen Rahmenbedingungen abhängt. Die chemische Industrie befindet sich dagegen unverändert in einer strukturellen Krise, deren Ursachen tiefgreifend sind und kurzfristig kaum aufzulösen sein werden.