Holzschutztagung 2025: Von der Dauerhaftigkeit von Holzbauteilen bis zum Digitalen Holzschutz

Pressemeldungen

Ende November 2025 fand in Göttingen die Holzschutztagung der Deutschen Bauchemie statt. Das breit gefächerte Programm, das den Teilnehmern aus Industrie, Gewerbe, Behörden und Wissenschaft geboten wurde, zeigte einmal mehr, unter welch komplexen Rahmenbedingung die Branche heute unterwegs ist. Zu den sich ständig verändernden regulatorischen Entwicklungen gesellen sich zunehmend auch zukunftsorientierte Themen wie die Digitalisierung oder der Einsatz von KI. All dies spiegelte sich auch in Vorträgen der nach Göttingen eingeladenen Referenten wider. Nicht zuletzt die intensiv geführten Diskussionen machten deutlich, welch wichtige Plattform die Holzschutztagung für den fachlichen Austausch zu diesen aktuellen Themen darstellt. Den fachöffentlichen Vorträgen ging wie gewohnt ein verbandsinterner Teil mit den Berichten aus der Geschäftsstelle und den Holzschutzverbandsgremien voraus.

 

Im verbandsinternen Teil der Veranstaltung gab Ina Hundhausen, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Bauchemie, zunächst einen Einblick in die aktuelle Verbandsarbeit. Eine Arbeit, die sich vor dem Hintergrund insgesamt „verschlechterter Rahmenbedingungen“ abspielt - insbesondere was die nach wie vor negative Entwicklung im Bausektor oder die Prognosen für die Chemie- und Pharmaproduktion betrifft. Was die Wirtschaft derzeit braucht, ist „Stärke und Entlastung“ - so Ina Hundhausen. Ihre Feststellung, dass die Deutsche Bauchemie, der größte Branchenverband in Europa, „strategisch gut aufgestellt“ ist, untermauerte sie mit dem Blick auf die zahlreichen erfolgreichen Maßnahmen der Geschäftsstelle. Dazu zählen unter anderen eine weiter verbesserte Information an die Mitgliedsfirmen und die Öffentlichkeit sowie neue Fachpublikationen auch aus dem Bereich Holzschutz. Und last but not least das immer stärkere Engagement des Verbandes auf europäischer Ebene. Ergänzt wurde der Bericht aus der Geschäftsstelle von Dr. Peter Reißer, der den Mitgliedern die Entwicklung beim „Sonderfonds Öffentlichkeitsarbeit Holzschutz und Normung“ vorstellte.
 

Aktuelles aus der umfangreichen Gremienarbeit des Verbands 

Über die verbandsinterne Gremienarbeit, der in der Deutschen Bauchemie organisierten Holzschutzmittelhersteller, informierte Dr. Jörg Habicht von der Wolman Wood and Fire Protection GmbH aus Sinzheim, der Obmann des Fachausschusses 1 (FA 1) der Deutschen Bauchemie. Seinem Bericht voraus ging ein Fachvortrag von Dr. Martina Arenz-Leufen von der LANXESS Deutschland GmbH in Köln. Unter dem Titel „Wiederzulassung von Biozidwirkstoffen in der EU: Regulatorische Herausforderungen anhand des Beispiels IPBC“ zeigte sie, welche „multiple Prozesse mit erhöhter Komplexität“ bei dem für die Branche wichtigen Wirkstoff gegen holzzerstörende Pilze und Bläue im Wiedergenehmigungsprozess ablaufen und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Im anschließenden Bericht von Dr. Jörg Habicht zur Arbeit des FA 1 im zurückliegenden Jahr wurde deutlich, dass Themen rund um das „Biozidrecht“ sowie die „Normung und Klassifizierung“ nach wie vor die Gremienarbeit prägen. Zunächst warf er einen Blick auf verschiedene bereits gestartete oder in den Startlöchern wartende “Omnibusse“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Möglichkeit, gleichzeitige Änderungen in mehreren EU-Gesetzen vorzunehmen (wie Friständerungen, Erleichterung der Berichtspflichten etc.) ohne die einzelnen Gesetze öffnen zu müssen. So hat das Omnibus-Paket I erhebliche Vereinfachungen im Bereich der Nachhaltigkeit zum Ziel, während sich das Omnibus-Paket VI mit Erleichterungen des EU-Chemikalienrechts beschäftigt. Unter dem Schlagwort „BPR Refit“ verbirgt sich das Überprüfungsprogramm der europäischen Biozidprodukteverordnung. Die öffentliche Konsultation dazu soll 2026 beginnen. Umfangreiche Stellungnahmen sind unter Beteiligung der Holzschutzmittelhersteller und dem FA 1 auf nationaler wie europäischer Verbandsebene in Vorbereitung bzw. bereits finalisiert. Dr. Jörg Habicht appellierte in diesem Zusammenhang an das Auditorium, dass sich möglichst viele einzelne Unternehmen an den für die Branche relevanten Konsultationen beteiligen, um die Schlagkraft der Argumente zu erhöhen. Weitere Schwerpunktthemen des FA 1, auf die der Obmann einging, reichten von der Abbaustudie Monoethanolamin, einem essentiellen Formulierungsbestandteil in kupferhaltigen Holzschutzmitteln, über den Bearbeitungsstatus dreier Technischen Regeln für Gefahrstoffe über die Verwendung von Bioziden bis hin zur Biozidrechts-Durchführungsverordnung, eine nationale gesetzliche Regelung, die wegen der hohen bürokratischen Hürden beim Handel zur Auslistung von Holzschutzmitteln in Baumärkten geführt hat und symbolhaft die Auswirkung einer überzogenen Regulatorik aufzeigt. Am Ende seiner Ausführungen verwies Dr. Habicht nochmals auf die intensive Mitarbeit und den ständigen Informationsaustausch der Deutschen Bauchemie in und mit nationalen und europäischen Gremien.
 

Neues zur Dauerhaftigkeit und Gebrauchsdauer von Holz

Den fachöffentlichen Teil der Göttinger Holzschutztagung eröffnete Prof. Dr. Christian Brischke vom Thünen Institut für Holzforschung in Hamburg Bergedorf. Sein Vortrag zur „Bestimmung der Dauerhaftigkeit und Gebrauchsdauer von Holz“ trug den Untertitel „Notwendigkeit, methodische Ansätze und Fallstricke“. In anschaulicher Weise erläuterte er die Begrifflichkeiten Dauerhaftigkeit und Gebrauchsdauer und deren enge Verzahnung. Besondere Bedeutung kommt hierbei der Gebrauchsdauervorhersage von Holzbauteilen zu. Eine Abschätzung gelingt in der Regel über ausgefeilte Modellierungen, wobei die Widerstandsfähigkeit des Materials ins Verhältnis zur Höhe der Exposition gesetzt wird. Betrachtet werden hierbei globale und lokale Effekte bis hin zu den Einflüssen auf Mikroebene (Einbausituation des Bauteiles im Objekt). Anschließend erläuterte er, welche Rolle diese Abschätzungen beispielsweise für Lebenszykluskosten-Berechnungen, Lebenszyklus-Analysen und die Angabe von Referenzgebrauchsklassen spielen. Letztere haben Bedeutung im Rahmen des bereits für Holzprodukte angelaufenen CPR-Acquis-Prozess zur Umsetzung der Anforderungen der europäischen Bauproduktenverordnung. Am Beispiel imprägnierter Holzmasten zeigte er die Problematik zur Ermittlung der Gebrauchsdauer des Produkts unter dem Aspekt der Dauerhaftigkeit des Materials. Am Ende seiner Ausführungen benannte Prof. Brischke weiteren Forschungs- bzw. Handlungsbedarf - wie beispielsweise die Generierung von Daten für schutzmittelbehandeltes Holz - und welche Normen in diesem Zusammenhang einer Überarbeitung bedürfen.

Im zweiten Vortrag beschäftigte sich die Referentin, Dr. Evelyn Roßkamp vom Verband der Chemischen Industrie in Frankfurt, mit der “Professionellen Verwendung von Biozid-Produkte in Deutschland - die neuen TRGS Biozide”. Sie hob hervor, dass die Erarbeitung der drei neuen TRGS Biozide eine Ausgestaltung der gesetzlichen Vorgaben der Gefahrstoffverordnung darstellen. Diese werden in den TRGS präzisiert. Im Fokus ihrer Ausführungen standen die Regelungen, unter welchen Voraussetzungen die “Sachkundepflicht” greift und die Verpflichtung zu einer unternehmensbezogenen Anzeige. Sie ging dabei unter anderem Fragen nach wie “Wann ist jemand sachkundig?“ und „Was muss getan werden, um sachkundig zu werden?“. An die Unternehmen richtete sie den Appell: „Prüfen Sie unbedingt Ihre Betroffenheit!” Während die Sachkundepflicht ab dem 28. Juli 2027 greift, sieht die Gefahrstoffverordnung für die unternehmensbezogene Anzeige keine Übergangsfrist vor.
 

Das Holzschutzmittelschaumverfahren - ein Verfahren mit Potential

Mit dem nächsten Vortrag ging es erst einmal weg von der Regulatorik und mitten hinein in die Holzschutzpraxis. Dipl.-Ing. Norbert Nieke vom gleichnamigen Ingenieur- und Sachverständigenbüro aus Dresden präsentierte dabei „Das Holzschutzmittelschaumverfahren“ und dessen „anwendungs- und arbeitsschutzrechtliche Vorteile“. Er warf dabei zunächst einen Blick auf die Geschichte und Entwicklung des Verfahrens, dessen Ursprünge bereits in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts liegen, jedoch erst in den Jahren 1973-1975 von Heinz Petermann aus Berlin weiterentwickelt und zum praktischen Einsatz gebracht wurde. Gründe für die Entwicklung waren in erster Linie die Verringerung der Aerosolbelastung beim damals gängigen Spritzprozess von Holzschutzmitteln sowie die Verluste beim Fluten und die damit einhergehenden Belastung der Bodenfläche. Ohne geeignete Gerätetechnik hätte sich das Schaumverfahren nicht etablieren können. Dies gelang Anfang der 1990iger Jahre dank der Zusammenarbeit des Forschungs- und Entwicklungszentrum der ehemaligen DESOWAG GmbH und des Instituts für Holz- und Papiertechnik der TU Dresden. Zur Anwendung kommt das Verfahren heute vor allem bei der Mauerwerksbehandlung im Rahmen der Hausschwammbekämpfung, zur vorbeugenden Behandlung von Holz hauptsächlich mit borhaltigen Produkten sowie zur Bekämpfung von Insekten im Holz mit borhaltigen bzw. emulgierten organischen Produkten. Zu den arbeitsschutztechnischen Vorteilen zählt die Reduzierung von Aerosolbildung und Abtropfverlusten. Der Einsatz darf jedoch nur durch fach- und sachkundige Fachfirmen erfolgen. Norbert Nieke in seinem Fazit: „Das Holzschutzmittelschaumverfahren ist gegenüber Verfahren wie Sprühen, Fluten, Streichen arbeitsschutz- und umweltfreundlicher, effektiver, anwenderfreundlicher und sicherer. Das Verfahren hat Potential und sollte in Zukunft mehr Beachtung finden“.
 

Ist die Zukunft des Holzschutzes digital?

Mit einem besonderen Thema startete der letzte Vortragsblock der diesjährigen Holzschutztagung. „Digitaler Holzschutz: Ein Konfigurator zur Planung und Konzipierung dauerhafter Holzbauwerke“. Dipl.-Ing. Peter Stuckenberg von der Remmers GmbH aus Löningen präsentierte dabei ein von der Studentin Silvia Kizil im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit an der TU in Köln entwickeltes Modell. Sie geht dabei von der Frage aus „Wie kann ein Vorgehensmodell zur Konzipierung und Errichtung von Holzbauwerken um den Aspekt des Holzschutzes erweitert werden, um die Dauerhaftigkeit und den optimalen Schutz der Bauwerke zu gewährleisten?“. Ziele sind dabei eine „zukunftsorientierte Anwendung des Vorgehensmodells durch Digitalisierung“, eine Vereinfachung der „Ist-Situation“ sowie „praxisnahe Handlungsempfehlungen durch Vorstellung beispielhafter Holzschutzprodukte“. „Einfach geplant, langlebig gebaut“ - nach diesem Motto sollen so schrittweise individuelle Konzepte für langlebige Holzbauwerke entstehen. Wie der Konfigurator funktioniert verdeutlichte der Referent an einem praxisorientierten Anwendungsbeispiel - bei einem Holzbalkon mit einem Terrassenbelag, einer Balkonstütze sowie senkrechten und waagrechten Konstruktionshölzern. Die Digitalisierung des Vorgehensmodells soll hier vor allem die „Handhabung“ der zugrundeliegenden komplexen Regulatorik erleichtern. Der Konfigurator steht allerdings erst am Anfang und „zukünftige Erweiterungen und Optimierungen am Vorgehensmodell sind weiterhin möglich“ - so der Referent. 

Im Abschlussvortrag der diesjährigen Holzschutztagung gab der Umweltingenieur Daniel Matthaeus Krisa vom im dänischen Taastrup beheimateten Danish Technological Institut eine „Einführung in die Welt von Ökobilanz, LCA und EPD“. Er erläuterte, dass eine LCA (Life Cycle Assessment, Lebenszyklusanalyse) eine standardisierte Methode zur Quantifizierung von Umweltauswirkungen von Produkten und Systemen darstellt. Dieser ganzheitlichere Ansatz berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus und umfasst mehrere Umweltkategorien. Allerdings können hierbei unterschiedliche Systemgrenzen herangezogen werden, die als cradle-to-cradle, cradle-to-grave oder cradle-to-gate bezeichnet werden. Für den Bausektor von großer Bedeutung ist eine verifizierte LCA des Typ III nach ISO 14025 und EN 15804. Eine solche Umweltproduktdeklaration (EPD, Environmental Product Declaration) ermöglicht die Kommunikation von Umwelteinwirkungen von Produkten. Sie wird häufig im Bausektor bei einer Gebäude-LCA genutzt, künftig aber auch als verbindlicher Bestandteil der Nachhaltigkeitsanforderung für Bauprodukte benötigt (CE-Kennzeichnung). Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen geht der Vortragende auf die erforderlichen Schritte zur Erstellung einer EPD sowie deren Aufbau, Inhalte und den damit verbundenen Aussagen ein. Am Ende seines Vortrages warf er auch einen Blick in die Zukunft: So werde an Social LCA, an Prospective LCA bis hin zu LCA im Kontext planetaren Grenzen geforscht.
 

Dr. Peter Reißer verabschiedet

Die Göttinger Veranstaltung war für Dr. Peter Reißer die letzte Holzschutztagung in seiner Funktion als Referent für den Bereich Holzschutz bei der Deutschen Bauchemie. Im Oktober des kommenden Jahres wird er in den Ruhestand treten. Dr. Peter Reißer ist seit dem Jahr 2002 im Verband tätig und seit 2003 für die Organisation der alljährlichen Holzschutztagung zuständig. Dr. Jörg Habicht, der Obmann des FA 1 der Deutschen Bauchemie, würdigte aus diesem Anlass das Wirken von Dr. Peter Reißer für den Verband und die gesamte Holzschutzbranche. „Er hat sich stets mit Leidenschaft und Engagement für den chemischen Holzschutz stark gemacht, er hat viel bewegt und bewirkt. Er war immer der fachlich überaus kompetente Ansprechpartner für die Branche und insbesondere der ‚Kompass‘ für die komplexe Biozidgesetzgebung. Er hat die Holzschutztagungen über all die Jahre hinweg geprägt, hat unterschiedliche Positionen zusammengeführt und stets einen Konsens gefunden“. Aber nicht nur dafür, sondern auch für „seine ruhige Art und den vorbildlichen, weil stets wertschätzenden und menschlichen Umgang mit allen in der Branche gebührt ihm höchster Respekt und Dankbarkeit“ - so Dr. Jörg Habicht. Gemeinsam mit der Hauptgeschäftsführerin Ina Hundhausen überreichte er am Ende der Göttinger Veranstaltung Dr. Reißer ein Fotobuch, in dem zahlreiche Weggefährten von Dr. Reißer ihren ganz persönlichen Dank an ihn zum Ausdruck gebracht haben. 

 

 

Die Deutsche Bauchemie vertritt seit 77 Jahren die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber der Fachöffentlichkeit, Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien. Der Industrieverband gehört als Fachorganisation zum Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten 2024 mit circa 32.000 Beschäftigten einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro in Deutschland.


Referenten und Gastgeber der Holzschutztagung 2025 in Göttingen (von links): Ina Hundhausen, Prof. Dr. Christian Brischke, Dr. Evelyn Roßkamp, Peter Stuckenberg, Dr. Martina Arenz-Leufen, Daniel Krisa, Dr. Jörg Habicht, Dr. Peter Reißer und Norbert Nieke. ©Deutsche Bauchemie

Teilnehmer aus Industrie, Gewerbe, Behörden und Wissenschaft trafen sich in Göttingen zur Holzschutztagung 2025. ©Deutsche Bauchemie

Am Ende der Göttinger Veranstaltung bedankten sich Ina Hundhausen, die Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Bauchemie, und Dr. Jörg Habicht, Obmann des FA 1, bei Dr. Peter Reißer für insgesamt 20 perfekt organisierte und geleitete Holzschutztagungen. ©Deutsche Bauchemie


Ansprechpartner

Ina Hundhausen
Hauptgeschäftsführerin

Tel.: 069 / 25 56 - 1318
E-Mail: ina.hundhausen[at]vci.de