Unterbrochene Liefer­ketten ver­ursachen Produktions­engpässe

Pressemeldungen

Immer mehr Mitgliedsunternehmen der Deutschen Bauchemie spüren die Auswirkungen der durch coronabedingte Grenzkontrollen und zusätzliche internationale Logistikprobleme unterbrochenen Lieferketten. Das hat Folgen für die Produktion, die Lieferfähigkeit und damit für den Materialnachschub auf Baustellen insbesondere von größeren Objekten.

„Bei einem unserer international operierenden Mitgliedsunternehmen musste kürzlich eine komplette Schicht ausfallen, weil kein Material mehr vorhanden war“, berichtet Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie, „die Beschäftigten konnten unfreiwillig nach Hause fahren.“

Die kritische Situation umfasst komplette Produktionsprozesse, von Verzögerungen und Ausfällen beim Rohstoffeinkauf auf den internationalen Märkten bis hin zu Engpässen bei Verpackungsmaterialien und Paletten. Der in der Presseinformation der Deutschen Bauchemie vom 6. Januar 2021 angekündigte Engpass bei Rohstoffen für die Epoxidharzproduktion war nur der Beginn einer ganzen Serie von Verknappungen am Rohstoffmarkt und Force Majeure-Meldungen. Diese Entwicklung geht einher mit teilweise explodierenden Preissteigerungen für viele Rohstoffe und Verpackungen.

 

LKW-Staus bremsen Produktionsabläufe aus

Die Gründe sind vielfältig, haben ihre Ursache aber oft auch im logistischen Bereich. Besonders sichtbar wird das etwa bei den LKW-Staus an den Grenzen zu Österreich und Tschechien. Ein Spediteur aus dem Allgäu berichtet gegenüber dem Branchenportal „Verkehrsrundschau“ von einem 200 Kilometer (!) langen Stau zwischen Modena und dem Brenner im Februar. Durch die Just-in-time-Taktung der Warenflüsse in vielen Unternehmen fehlen aufgrund dieser enormen Zeitverluste Zwischenrohstoffe für die Produktion – die deswegen teilweise zum Erliegen kommt. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hat in einem Brandbrief an die Bundeskanzlerin auf die Situation aufmerksam gemacht und fordert dringend eine Entschärfung – übrigens auch in den offenbar völlig überlasteten Testcentern an den Grenzen. Hier drängen sich hunderte Fernfahrer, die durch einen Negativtest ihre Fahrten fortsetzen wollen.

 

Zu wenig Seecontainer im Umlauf

Negative Konsequenzen bei den Warenflüssen entstehen für die bauchemische Industrie auch in der Frachtcontainerlogistik. Es sind schlicht zu wenig Kapazitäten verfügbar und zwar in beide Richtungen – sowohl für den Warenexport als auch für den Rohstoff- und Materialimport. Die durch Corona hohe Nachfrage nach Gebrauchsgütern aus Asien bindet nach Meinung von Branchenexperten große Teile der Seecontainermengen in den europäischen Häfen und in Asien selbst. Auch der Brexit und die komplizierten und verlangsamten Warenströme von und nach Großbritannien wirken sich negativ aus. Für immer mehr Spediteure lohnen sich Fahrten auf die Insel nicht, weil sie zu lange dauern und zu hohe Kosten verursachen. Großbritannien ist für die Bauchemie aber ein sehr wichtiger Markt.

 

Engpässe bei Kunststoffverpackungen

„Die Mitgliedsunternehmen kämpfen bei den Lieferketten derzeit an vielen Fronten, das erhöht zunehmend die Brisanz in der Produktionsplanung und Warenwirtschaft“, erläutert Norbert Schröter, „und nicht alles ist auf Corona zurückzuführen.“

Beispiel Kunststoffverpackungen: Viele bauchemische Produkte erfordern Speziallösungen. Hier können die Unternehmen zum Teil nicht ausliefern, weil z. B. Innenverpackungen aus Kunststoff fehlen. Wie eine aktuelle Umfrage der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) zeigt, gibt es insbesondere bei PP, HDPE und LDPE-Kunststoffen derzeit erhebliche Engpässe. Hintergrund der angespannten Versorgungslage sind ausbleibende Importe aus den USA und Saudi-Arabien, die derzeit vor allem nach China umgelenkt werden. Verschärft werde die Situation durch eine gestiegene Nachfrage nach Verpackungen. Die Folge der Verknappung seien zum Teil auch „exorbitante Preissteigerungen“, so der IK in seiner Pressemitteilung von Anfang Februar 2021. Diese treffen in der Folge auch die Bauchemie-Hersteller.

 

Paletten bald nur noch auf dem Schwarzmarkt?

Ein weiteres Problemfeld in der Logistikkette sind Paletten. „Paletten interessieren eigentlich niemanden, es sei denn sie fehlen“, beschreibt ein Frachtexperte der südwestfälischen Industrie- und Handelskammer die Situation. Starke Nachfrage aus Asien, drastische Preissteigerungen und das Horten großer Palettenmengen haben laut Brancheninsidern inzwischen sogar dazu geführt, dass gestohlene Paletten auf Schwarzmärkten angeboten und gekauft werden. Im klassischen Waren- und Stückgutverkehr fehlen sie, was Auslieferungen bauchemischer Produkte verzögert.

 

„Die Folgen der unterbrochenen Lieferketten sind mittlerweile auf den ersten Baustellen spürbar“, erklärt Norbert Schröter, „vor allem im Bereich hochwertiger Spezialklebstoffe beispielsweise für Fassaden gibt es Engpässe und Verzögerungen im Bauablauf. Die Mitgliedsunternehmen versuchen alles, um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen und hoffen zugleich auf Erleichterungen der Rahmenbedingungen durch das einsetzende Frühjahr.“

 

Bild: Deutsche Bauchemie

 

 

Die Deutsche Bauchemie vertritt seit über 70 Jahren die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber der Fachöffentlichkeit, Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien. Der Industrieverband gehört als Fachorganisation zum Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die mehr als 130 Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten 2020 mit rund 32.000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,8 Milliarden Euro. Das entspricht der Hälfte des europäischen Marktvolumens und etwa einem Viertel des Weltmarktes.

Einer der Gründe für die Materialengpässe liegt in der fehlenden Kapazität bei Seecontainern im Austausch zwischen Europa und Asien.


Ansprechpartner

Dipl.-Ing.
Norbert Schröter

Hauptgeschäftsführung

Tel.: 069 / 25 56 - 1318
Fax: 069 / 25 56 - 1319

E-Mail: norbert.schroeter[at]vci.de