Kritische Marktsituation und Lieferengpässe bei Epoxidharzen

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Mehrere parallel verlaufende internationale Ereignisse und Entwicklungen haben in den letzten Wochen zu einer Verknappung und weltweit drastischen Preissteigerung bei den Rohstoffen für die Epoxidharz-Produktion geführt. Das hat insbesondere Konsequenzen für die Märkte in Europa und in Deutschland.

Eine kontinuierlich wachsende Nachfrage auf den internationalen Märkten beeinträchtigt die Verfügbarkeit und befeuert die Preisdynamik zusätzlich. Um in Europa überhaupt Lieferungen von Basisepoxidharzen zu erhalten, müssen Preise akzeptiert werden, die mehr als 100 % über dem normalen mittleren Preis liegen. Hinzugerechnet werden müssen die Kosten für die eigentliche Epoxidharzherstellung auf Basis der teuren Rohstoffe – daraus erwächst die Gefahr, dass die durch bauchemische Unternehmen in Deutschland angebotenen Endprodukte kaum mehr wettbewerbsfähig sind, im Vergleich zu anderen Systemen in den jeweiligen Einsatzbereichen.

Produktionsausfall bei gleichzeitigem Nachfrageplus

Weltweit ist die Zahl der Produktionsstätten für Epoxidharz-Rohstoffe begrenzt, deshalb haben zuletzt aufgetretene Störungen und sogar Ausfälle ganzer Anlagen sehr schnell gravierende Auswirkungen auf die am Markt verfügbaren Rohstoffmengen. Parallel diagnostizieren Marktbeobachter einen starken Nachfrageanstieg in Südostasien, insbesondere in China. Hier hat die Konjunktur länderübergreifend Fahrt aufgenommen, so dass viele Bestände erst gar nicht in den Export nach Europa gelangen. Werke in Südkorea, Japan oder China sind gezwungen, ihre Produktionsabläufe neu aufzusetzen und sicherheitstechnisch zu optimieren, was nicht nur Zeit kostet, sondern die Rohstoffe für die weiterverarbeitende Industrie weltweit verteuert.

Speziell für Europa und damit auch Deutschland, sehen Experten die mangelnden Transportkapazitäten durch fehlende Container als zusätzlichen preistreibenden Faktor.

Lieferengpässe und drastischer Preisanstieg

Lieferengpässe tragen zusätzlich zum Preisauftrieb bei. Einige Anbieter haben ihre Lieferverträge mit den europäischen Epoxidharz-Herstellern gekündigt, weil ihnen so gut wie keine Ware mehr zur Verfügung steht. Kurz vor Weihnachten meldete Hexion Inc. für das Werk im niederländischen Pernis weitere Produktionsstörungen und Force Majeur für wesentliche Basisprodukte. Die Auswirkungen können noch nicht abgeschätzt werden, aber Branchenexperten werten dieses Ereignis als weitere Schwächung der Lieferkette, die zur Verschärfung der Situation beiträgt.

Mitgliedsunternehmen der Deutschen Bauchemie beziffern die Kostensteigerung von Epoxidharzen allein im Dezember 2020 auf eine Größenordnung zwischen 40 und 60 Prozent. Für Lieferungen im ersten Quartal 2021 müssen weitere extreme Preisforderungen akzeptiert werden, um Lieferungen zu erhalten. Eine Trendwende ist kurzfristig nicht zu erkennen. Angesichts dieser Entwicklung sind Preissteigerungen bei Epoxidharz-Endprodukten absehbar.

 

Infokasten:

Epoxidharze in der Bauchemie

Epoxidharze (EP) sind reaktive Kunstharze. EP-Harz (A-Komponente) und Härter (B-Komponente) werden für die jeweilige Anwendung mit Füllstoffen, Pigmenten, Additiven „angereichert“. Für die Anwendung werden die beiden Komponenten gemischt. Durch die Mischung entsteht ein Reaktionsharz, das innerhalb einiger Stunden bis Tage aushärtet. Im Baubereich werden kalthärtende, d.h. bei Umgebungstemperatur härtende Systeme eingesetzt.

Anwendungsbereiche von Epoxidharzen sind unter anderem Bodenbeschichtungen, Betonschutz und Instandsetzung, Korrosionsschutz, Behälterbau, Säureschutz, Klebstoffe, Grundierungen, Abdichtungen.

 

Die Deutsche Bauchemie vertritt seit über 70 Jahren die Interessen ihrer Mitgliedsfirmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber der Fachöffentlichkeit, Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien. Der Industrieverband gehört als Fachorganisation zum Verband der Chemischen Industrie (VCI). Die mehr als 130 Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten 2019 mit rund 32.000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,5 Milliarden Euro. Das entspricht der Hälfte des europäischen Marktvolumens und etwa einem Viertel des Weltmarktes.

 


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